Navigation Menu+

(Mit-)Herausgeberschaft

Les grands centres musicaux du monde germanique (XVIIe-XIXe s.), hrsg. von Jean-François Candoni und Laure Gauthier, Paris, PUPS, 2014, mit einem Vorwort von Christophe Charle.

Gegenstand des Sammelbandes sind die facettenreichen Verbindungen zwischen Städte- und Musikgeschichte in der Periode, die sich von der Gegenreformation bis zum Ausgang des romantischen Zeitalters erstreckt. Die Beiträge sollten darauf abzielen, die Herausbildung und historische Entwicklung bedeutender Musikzentren im deutschsprachigen Raum anschaulich zu machen. Im Rahmen dieses Projekts soll untersucht werden, wie sich der musikalische Raum innerhalb der jeweiligen Städte entwickelt hat (Verselbständigung, Entkonfessionalisierung, Diversifizierung der Aufführungsorte sowie der Aufführungspraktiken, Professionalisierung, Privatisierung usw. …). Dabei sollen die Veränderungen der Musik- und Aufführungspraktiken sowie die Entwicklung des Denkens über die Musik vor dem Hintergrund der Entstehung von urbanen und kulturellen Zentren erfasst werden, wobei Rivalitäten, Einflüsse, Komplementarität und Hybridisierungsprozesse zu berücksichtigen sind. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob man von einer Gleichzeitigkeit oder eher von einer Wechselwirkung zwischen musik¬geschichtlichen und städtehistorischen Phänomenen reden darf.

Mélodies urbaines. La musique dans les villes d’Europe (XVIe-XIXe siècles), hrsg. von Laure Gauthier et Mélanie Traversier, Paris, PUPS, 2008, mit einem Vorwort von Jean-Pierre Bartoli.

Das Projekt „Mélodies Urbaines” knüpft an methodologische und hermeneutischen Neuerungen an. Es fokussierte aber das Interesse auf das Themenfeld “Stadt-Musik”, das in der europäischen Musikwissenschaft vor 2008 noch zu wenig (systematisch) erforscht war, während die wissenschaftliche Brisanz des historiographischen Prinzips vom Theater in der Stadt in der Theaterwissenschaft seit den Arbeiten von Ludovico Zorsi, also seit etwa 1975, schon erkannt worden war. Zorsi zeigte in seinem Beitrag zu „Firenze – il teatro e la città” wie sehr der konzentrierte Blick auf theatrale Praktiken in einem konkreten Umfeld eine besonders präzise Beobachtung möglich macht. Es handelt sich dabei weniger um eine Stadttheatergeschichte, als um eine Stadt- und Theatergeschichte. Ein derartiger Ansatz gewähre vor allem, sich von der Reformhistoriographie zu distanzieren, zum Beispiel indem man als Rezipient nicht mehr nur auf das Volk oder auf das Bürgertum, sondern auf alle sozialen Schichten, die in der Stadt vertreten sind, und dadurch auf deren Interpenetrationen und Wechselwirkungen achte. Diese Methode ermöglicht besonders differenzierte Sichtweisen. Durch sie kann man nämlich dem Nebeneinander verschiedener Traditionen und Publika im städtischen Raum sowie der Verquickung von politischen und soziologischen Phänomenen gerecht werden. Diese Herangehensweise ermöglicht es, die Musikgeschichte von Städten neu zu beleuchten, in denen verschiedene kulturelle, politische und religiöse Einflüsse zusammenfließen, was sich mit der traditionellen Stadtgeschichtsschreibung oder der nationalen Musikgeschichtsschreibung schlecht oder nur bedingt vereinbaren lässt. Im Gegensatz zum Bild, das die nationale Musikgeschichtsschreibung lange vermittelt hat, strotzt die europäische Geschichte in der Moderne von Ausnahmestädten, d.h. von Städten, die wenigstens zu einem bestimmten Zeitpunkt Grenzfälle oder gar tatsächlich Enklaven waren. Die Untersuchung solcher urbanen Räume, die vielfältigen politischen und religiösen Einflüssen ausgesetzt waren, wurde oft zugunsten von Städten vernachlässigt, die den nationalen Diskurs idealtypisch mittrugen.

Veröffentlichte Rezensionen:

Cahiers de sociologie économique et culturelle, 12 / 2007, CR d’Edith Weber ; Classica, 06 / 2009 ; Fabula ; Histoire magazine, Septembre 2008 – n° 334 ; Historiens et géographes, n° 406 ; H-Soz. Und Kult, 13.05.2009 (CR. de Gesa zur Nieden) ; L’éducation musicale, n°21, Septembre 2008, 6 (Bibliographie) ; Revue d’Histoire Urbaine – CR de François Joseph Ruggiu, n° 24, 2009 / 01 ; Etudes Germaniques, Juillet-Septembre 2010, n°3, p. 695-697 ; XVIIe Siècle, n° 63, p. 593-596 (CR de Pauline Lemaigre-Gaffier).

Siehe die Seite des Verlags LINK

Kulturwissenschaft versus Philologie, Akten des XI. Internationalen Germanistenkongresses, Paris 2005 – Germanistik im Konflikt der Kulturen, Bd. 5, hrsg. von Jean-Marie Valentin unter Mitarbeit von Laure Gauthier, Bern, Peter Lang, 2008.

In Band 5 der Akten des XI. Internationalen Germanistenkongresses Paris 2005 stehen kulturwissenschaftliche Fragen im Zentrum.

In der Sektion «Kulturwissenschaft vs. Philologie?» geht es nicht zuletzt um die Angst der Philologie vor einem Identitätsverlust, der mit dem Siegeszug der neuen kulturwissenschaftlichen Ansätze einhergeht. Es wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob eine kulturwissenschaftlich erweiterte Philologie immer noch Philologie bleibt, oder ob sie sich eher zur Anthropologie oder Ethnologie wandelt.

Untersuchungsgegenstand der Sektion «Wissenschaftskulturen: Kontraste, Konflikte, Synergien» sind die Form und Geschichte der Wissenszirkulation im deutschsprachigen Raum. Im Mittelpunkt stehen dabei verschiedene Arten des Wissenstransfers, die sich im Rahmen von Institutionen, wie auch von «loseren» Kommunikationsforen, wie Zirkel und Gesprächsrunden, ergeben.

Der Editionsphilologie lässt sich kein strenges, von der übrigen wissenschaftlichen Praxis nicht berührtes Feld zuweisen. In der dritten und letzten Sektion, «Editionsphilologie. Projekte, Tendenzen und Konflikte», steht daher die prinzipielle und auch wissenschaftsgeschichtliche Frage nach dem tatsächlichen und möglichen Status des Edierens innerhalb der Literaturwissenschaft im Zentrum.

Klassiken, Klassizismen, Klassizität, Akten des XI. Internationalen Germanistenkongresses, Paris 2005 – Germanistik im Konflikt der Kulturen, Bd. 11, hrsg. von Jean-Marie Valentin unter Mitarbeit von Laure Gauthier, Bern, Peter Lang, 2008.

Band 11 der Akten des XI. Internationalen Germanistenkongresses Paris 2005 befasst sich mit neuen Fragen zur Klassik, zur Pariser Moderne und zum literarischen Streit um die Moderne.

Im Vordergrund der Sektion «Klassiken, Klassizismen, Klassizität» stehen zunächst Goethe und Schiller, die der alten Frage nach den deutschen klassischen Schriftstellern um 1800 wieder zu neuer Aktualität verhalfen. Auch wenn beiden eine breite Rezeption ihrer klassischen Werke zunächst versagt blieb, setzten sie doch neue ästhetische Werte und Normen durch ihre «Literaturpolitik». Im Anschluss daran wird untersucht, welche Bedeutung die Klassikerverehrung für das Schaffen und die Haltung jener Schriftsteller hatte, die im 19. und 20. Jahrhundert den Begriff Klassizität für sich in Anspruch nahmen.

Der Begriff der «Moderne» wird in der Sektion «Kulturmetropole Paris im Zeichen der Moderne» im Sinne Baudelaires als ästhetische Moderne verstanden. Der Parisbezug wird unter den Aspekten ästhetische Moderne, Ästhetik und Politik, sowie Paris als Gegenstand behandelt. Dabei ist auch Paul Celans Dichtung Gegenstand poetologischer und interkultureller Diskussionen.

Abschliessend wird in «Der Streit um die literarische Moderne» literarische Moderne als komplexer und schillernder Begriff und als Zeit der Umbrüche und Blickwechsel verstanden. Es wird aufgezeigt, wie sich die literarische Moderne im Streit zwischen traditionell-konservativen und revolutionär-innovativen Tendenzen der Ästhetik sowie im Konflikt zwischen Stagnation und Dynamik auch als produktiver Schock erweist.

Pierre Corneille et l’Allemagne. L’œuvre dramatique de Pierre Corneille dans le monde germanique (XVIIe-XIXe siècles)), hrsg. von Jean-Marie Valentin unter Mitarbeit von Laure Gauthier, Paris, Desjonquières, 2007.

Das Theater von Corneille ist ein europäisches Theater. Die stärksten Impulse kamen aus Spanien, Italien, den Niederlanden und von den Jesuiten. Dabei prägte Corneille, selbst unbeeinflusst von der deutschen Bühne, das deutsche literarische Theater auf einzigartige Weise. Ohne ihn hätte es sich so nicht durchgesetzt und internationale Bedeutung erlangt. Entscheidend war allerdings nicht die über lange Zeit wohlwollende Rezeption. Im Hinblick auf die Schaffung eines nationalen und modernen Theaterparadigmas durch die Aufklärung spielte vielmehr die Bedeutung der frühen Tragödien und der Dramentheorie von Corneille im Reich eine Rolle. Das Paradox erweist sich als fruchtbar: Die intensive Infragestellung (Lessing) wird zum Wendepunkt in der Selbstbestimmung der deutschen Kultur nach 1760. In Deutschland berief man sich nicht mehr auf Aristoteles, man löste sich von Shakespeare und den Elisabethanern zugunsten von Corneille und den Franzosen. Die Romantiker wandten sich der deutschen Vergangenheit und Spanien mit Calderón zu. Auf diese Weise gelangte Deutschland in den Rang der großen europäischen Literaturen.