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back into nothingness

Das Werk

Monodram für eine Stimme, Chor und elektronische Musik

Text von Laure Gauthier
Musik von Nuria Gimenez-Comas

Bühnengestaltung und Beleuchtung: Giuseppe Frigeni
Choeur Spirito, unter der Leitung von Nicole Corti.

Im Auftrag von: Grame cncm, Spirito, Ircam, Festival Archipel und Théâtre National Populaire von Lyon.

Über das Werk

Der Titel, der Max Klinger (siehe Zyklus: „Ein Leben“. Ins Nichts zurück, 1880-1884) entlehnt ist, spielt auf das Schicksal von Kaspar Hauser an. Ein multimediales Bild unserer Gesellschaft, die die Dichtung misshandelt und zugleich mumifiziert. Ein Europa der Schlagzeilen und der Sensationsmeldungen.

„Unser Anliegen ist es, Taubheit zu Gehör zu bringen und dem Auge und dem Ohr darzubieten, was sich unter der Oberfläche befindet: Atem, Rhythmus, Enthusiasmus sowie das Trauma, das einen Riss bildet, durch den man das Leben beobachtet.“ (Laure Gauthier und Nuria Gimenez-Comas)

Die Geschichte von Kaspar Hauser wurde nur selten für das Musiktheater oder die Opernbühne bearbeitet. Immerhin kann man Kaspar Hauser von Elizabeth Swados und Erin Courtney anführen. Unser eigenes Projekt sprengt textlich und musikalisch den Mythos des „Entflohenen mit dem reinen Herzen“ (Françoise Dolto), den Mythos des unschuldigen Kindes. Musik, Sprache, Artikulation, Gesang und Licht vermitteln ein Bild taubstummen Verlangens in der primitiven, wilden Sprache des eingekerkerten Kindes. Kaspars Schicksal spiegelt unsere spätkapitalistische Gesellschaft wider, die nach Schlagzeilen giert und die misshandelte Kinder zu ihren Ikonen macht. Erstmals werden der Aufenthalt in Nürnberg und die positivistischen Experimente außen vor gelassen und der Weg Kaspars aus seinem finsteren Versteck in die Stadt Nürnberg in Szene gesetzt.

Back into nothingness ist keine romantische Ballade, vielmehr ein kinästhetisches Taumeln durch ein Trauma, das Sprache geworden ist (Körper, Gesang, Instrumente, Bilder). Die Figur Kaspars ist ein Behinderter. Ein Behinderter in vielfacher Hinsicht, der zur Sprache findet: Er äfft Laute nach, taumelt, verstummt, redet wirr und nähert sich dem Gesang. Gegenüber stehen sich die Klangwelt des Traumas, des Gefangenseins und die Klangwelt der Stadt mit ihren unablässigen Fragen („woher kommst du?“…). Die Töne der stummen Gewalt gegen die Töne der blinden Gewalt. Kaspar artikuliert die Gewalt, der er ausgesetzt wurde und wird, und die Hoffnung auf eine eigene Sprache, die das Blanc bereithält. Das Blanc ist sozusagen der poetische rote Faden. Die Musik und der Text zeugen von Kaspars Begeisterung für das weiße Licht und für die Wolken und den Schnee. All das ist neu für ihn.